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Worst-Case-Szenario mit 7.700 Toten
Laut Pandemieplan des Schweizer Bundesamts für Gesundheit könnte es in der Schweiz durch die Schweinegrippe zu jeweils 100 Todesopfern auf 100.000 Schweizer kommen. Das wären dann insgesamt 7.700 Schweinegrippeopfer in der Schweiz. Normale Grippewellen fordern pro Jahr etwa 400 bis 1.000 Tote. Die grösste Zahl an Schweinegrippe-Opfern hätte den Hochrechnungen zufolge Zürich mit 1.300 Toten zu beklagen, gefolgt von Bern mit 1.000 Toten. Auf Nachfrage der Zeitung Blick.ch relativierte der Leiter des Pandemieplans Professor Werner Wunderli die Zahlen für die Schweinegrippe jedoch. Es handele sich bei den Prognosen um Worst-Case-Szenarien. Man habe ihnen die Annahme einer komplett ungeimpften Bevölkerung zugrunde gelegt.
Wunderli sprach sich in Blick.ch deshalb nochmals vehement für die Schweinegrippe-Impfung aus. Wie sehr die Impfaktionen die Schweinegrippe in der Schweiz eindämmen, hänge — so Wunderli — von der Anzahl derer ab, die sich impfen lassen. Liesse sich jeder zweite Schweizer impfen, könnte die Schweinegrippe zumindest gebremst werden, so Wunderli. Läge die Impfrate bei 80%, rechnet er damit, dass sich die Ausbreitung der Krankheit verhindern lässt. Diesen Zahlen stehen derzeit etwa nur 20% der Schweizer gegenüber, die sich tatsächlich impfen lassen möchten. Insgesamt sind, so die Zeitung Blick.ch, 2009 bisher 800 Menschen in ganz Europa an der Schweinegrippe gestorben.
Schweinegrippe — zwischen Panikmache und Nüchternheit
Noch in der vergangenen Woche klang es so, als stünde die Ukraine aufgrund der Schweinegrippe kurz vor dem Ausnahmezustand. Anfang dieser Woche wurde alles relativiert. Viktor Juschchenko, Präsident des Landes, sprach mit einem Mal davon, dass die Krankheit in der Ukraine nicht schlimmer sei als anderswo und Regierungschefin Julia Timoschenko sprach davon, dass die Situation weniger schlimm sei als von Behörden und Medien dargestellt. Teils sei von hunderttausenden oder gar Millionen von erkrankten Menschen die Rede gewesen. Die konkreten Zahlen sehen wohl weitaus nüchterner aus: Nach Julia Timoschenko soll es derzeit in der Ukraine 32.448 Menschen geben, die an irgendeiner Form der Grippe erkrankt sind, und wohl nur 65 nachgewiesene Schweinegrippe-Fälle. An der Schweinegrippe seien bisher vierzehn Menschen in der Ukraine gestorben.
Die Situation in der Ukraine zeigt, wie sehr der Umgang mit Pandemien zwischen nüchterner Einschätzung und Panikmache pendelt. In Deutschland äusserte sich dazu etwa die Virologin Barbara Gärtner, ein Mitglied im Pandemie-Team des Robert-Koch-Instituts, im Interview mit der Saarbrücker Zeitung. Man schwanke derzeit zwischen „grosser Sorge und Gelassenheit“, sagte sie im Interview. Sie selbst habe im Sommer noch an die Harmlosigkeit der Schweinegrippe geglaubt, sei sich nun aber nicht mehr so sicher. Sie rät zur Impfung gegen die Krankheit.
WHO: Schweinegrippe wird weitere Tote fordern
Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt vor einer starken Zunahme der Verbreitung der sogenannten Schweinegrippe in den nächsten Monaten. Die WHO befürchtet dabei auch eine erhöhte Anzahl von Todesopfern.
Shin Young Soo, WHO-Direktor der Region Westlicher Pazifik, rechnet in bestimmten Gegenden mit einer Verdoppelung der Fallzahlen alle drei bis vier Tage. Wie er auf einer Tagung in Peking bekannt gab, stehe fest, dass in nächster Zukunft mehr Fälle der Erkrankung und mehr Tote auftreten werden. Daher fordert er schnelles und entschlossenes Handeln der Regierungen, besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern, deren Gesundheitsorganisationen nicht auf eine solche Epidemie vorbereitet sind. Hier drohe eine besonders drastische Zunahme der Fallzahlen. Auf Grund der raschen Verbreitung hat die WHO die durch den Erreger H1N1 hervorgerufene Influenza inzwischen zu einer globalen Seuche erklärt und eine Pandemie-Warnung herausgegeben.
Ägypten hat erste Schweinegrippe-Tote
Der Auslöser der Schweinegrippe heißt H1N1 und tauchte bereits 1918 einmal auf. Damals wurde die Epidemie als Spanische Grippe bezeichnet. Über 50 Millionen Menschen starben weltweit an den Folgen dieser Erkrankung. 1977 schlug der Virus erneut zu. Diesmal sprach man von der Russische Grippe, die glücklicherweise nicht so viele Todesopfer forderte wie ihre „große Schwester“.
