Schweinegrippe-Quarantäne ohne Lohn bei der Visana
Die Visana, die zu den größten Krankenkassen gehört, ist im Umgang mit ihren Angestellten wenig zimperlich. Wer in Länder reist, die als risikobehaftet für Schweinegrippe eingestuft wurden, muss im Anschluss eine Woche Zwangsurlaub nehmen und auf seinen Lohn in dieser Zeit verzichten. Die 1.500 Angestellten können in den Ferien nicht mehr in die Karibik, nach Thailand, Australien, Spanien oder Großbritannien reisen, ohne dafür mit der harten Strafe von einer Woche Zwangsurlaub rechnen zu müssen. Insgesamt 40 Länder stehen auf der Liste.
Der gesamten Belegschaft wurde mitgeteilt, dass jeder der in einem Schweinegrippe-Risikoland Urlaub macht, danach erst einmal fünf Tage ohne Lohnausgleich zuhause bleiben muss. Risikoländer sind alle die, die vom Bundesamt für Gesundheit mit einem erhöhten Expositionsrisiko bewertet wurden. Bereits im April hatte das Unternehmen die Mitarbeiter davor gewarnt, in Risikoländer zu reisen. Die neue Regelung gibt es aber erst seit 12. Juni. Diese Entscheidung war notwendig, weil die Krankenkasse befürchtet, wenn die Schweinegrippe in ihrem Unternehmen ausbricht, die Dienstleistungen nicht erbringen zu können.
Weshalb Visana den Lohn kappt
Bei Visana arbeiten die Angestellten nach einem Jahresarbeitszeitmodell, das ihnen viele Freiheiten auf die Zeiteinteilung gibt. Die Unternehmensleitung vertritt nun die Auffassung, dass dieses Modell den Angestellten nicht nur Vorteile bringen darf und jeder kann immerhin selbst entscheiden, wo er seinen Urlaub verbringt und wo nicht.
Arbeitsrechtler vertreten hingegen die Meinung, dass eine Vorgehensweise in dieser Art aus rechtlicher sich unhaltbar ist. Mit entsprechenden Klagen der Arbeitnehmer muss wohl gerechnet werden.
Auch die SBB hatte bereits im Mai ähnliche Zwangsferien eingeführt, allerdings war damals nur Mexiko ein Risikogebiet. So wie die Schweinegrippe sich jetzt ausgebreitet hat, würde das bedeuten, dass man den Mitarbeitern im Grunde genommen verbieten müsste, den Urlaub generell im Ausland zu verbringen und allein dieser Gedanke ist schlichtweg absurd. Deshalb hat die SBB ihre damalige Entscheidung wieder aufgehoben.

